Der Mythos

Roter Elephant

Der Mythos

Nichts, aber auch gar nichts lässt uns hoffen, jemals das Geheimnis des Roten Elephanten zu ergründen. Alles was wir zu wissen glauben, beruht auf unseren Recherchen, die, wie ich zugeben muss, unvollkommen und manchmal auch von der Lust an Deutung geprägt sind. Die einzige Überlieferung, das Ende der Herren vom Tempel Salo-mons betreffend, die auf uns gekommen ist, stammt vom Rechts-gelehrten und Kanzler des Königreichs Jerusalem, Wilhelm von Tyrus, der, wie wir wissen, fünfzig Jahre nach der Hinrichtung der letzten Templer lebte. Sein Werk »Historia rerum in partibus transmarinis gestarum« ist die einzige Quelle auf die wir zurückgreifen können. Diese Aufzeichnung eines eitlen Dieners des Vatikans strotzt vor historischen Ungereimtheiten und unbewiesenen Verurteilungen, und uns gefällt es besser, die Legende wieder aufleben zu lassen.

 

Neun Männer treffen sich am 13. Januar 1128 auf dem Tempelberg in Jerusalem, arme Ritter aus dem alten Europa. Seit dieser Zeit ist ist die Neun eine magische Zahl. Sie verabreden, einen Orden zum Schutz der Güter der Kirche Roms und der christlichen Pilger zu gründen, eine Miliz Gottes. Sie wollen sich den strengen Regeln der Franziskaner unterordnen, geloben Armut, Ehelosigkeit und treu ihrer Kirche zu dienen. Sie nennen sich nach dem Ort ihrer Gründung: Templer.

Hugo von Payens, der erste Großmeister, reist einige Tage danach durch den halben Orient und durch ganz Europa und wirbt für den neuen Orden. Er nimmt überall Schenkungen entgegen und rekrutiert Ritter aus verarmten Adelsfamilien für den Schutz der Christen im Heiligen Land. Auf seiner Rückreise nach Jerusalem besucht er den Sultan von Ägypten in Kairo, um dort um Frieden für die Pilger zu bitten. Der Sultan verspricht, den Frieden für das Heilige Land zu erhalten und den neuen Orden mit aller Kraft zu unterstützen. Der Herrscher Ägyptens beauftragt seinen Schatzmeister, Hakim el Assim, ein würdiges Geschenk für die Herren vom Tempel Salomos bei Abschluss ihres Vertrages auszuwählen. Hier taucht zum ersten Mal der legendäre Rote Elephant auf, aus einem riesigen Rubin geschliffen und mit einem Sattel aus Gold und Diamanten. Die Stoßzähne waren aus Elfenbein, und seine Augen blickten aus blauem Lapislazuli.

 

So geriet dieses wertvolle Tier in die Hände der Templer, die es gemeinsam mit dem Heiligen Gral, dem Becher, aus dem Christus beim letzten Abendmahl seinen Wein trank und in dem sein Blut von Saulus aufgefangen wurde, und der Bundeslade, die der Begründer des dritten Volkes der Schrift, Moses auf den gestrengen Befehl seines Gottes bauen ließ, in ihrem Schatzhaus in Jerusalem aufbewahrten. Hiermit begann die legendäre Geschichte der Tem-pler, die in den nächsten Jahren zum reichsten und mächtigsten Orden Europas werden sollten. Diese, ihre Macht, endete tragisch.

 

Am 24. August 1307 leitet der Papst eine Untersuchung gegen die heiligen Ritter ein. Sie waren ihm und König Philipp von Frankreich zu mächtig geworden, da sie ein Bankensystem unterhielten, von dem die Kronen Europas abhängig geworden waren. Sie, die einst Armut geschworen hatten, waren reich geworden und dehnten ihren Einfluss immer weiter aus. Der König ließ schon am 14. Oktober 1307 die Gründe für die Auflösung des Ordens öffentlich anschlagen. Sie wurden der Verleugnung Gottes, der Häresie und der Homosexualität angeklagt, sie sollten einen Gott in der Gestalt des Teufels verehrt haben. Viele Templer wurden noch in dieser Nacht verhaftet oder in ihren Ordensburgen festgesetzt. Aber der legendäre Schatz, den sich Philipp für seine ewig leere Staatskasse erhofft hatte, war verschwunden. Nur in Legenden lebt er bis heute fort.

 

Zwei Tage vor Beginn der Prozesse saßen drei Männer in einer Pariser Garküche in einem geheimen Hinterraum und versuchten, ihre Lage zu klären. Jakob von Molay, der letzte Ordensmeister, hatte alle Verfehlungen die dem Orden vorgeworfen wurden, zugegeben, um der Folter zu entgehen. Sie beschlossen gemeinsam, die verbliebenen Schätze an ihre Brüder in drei Weltgegenden zu verteilen, um sie vor dem Zugriff der Könige Europas zu bewahren und in späteren Zeiten für eine Neugründung des Ordens zu verwenden. Sie teilten das verbliebene Gold in drei gleiche Teile, aber auch die drei heiligen Gegenstände des Templerordens wurden aufgeteilt, um sie in ganz Europa zu verstecken. Der Spanier unter den Rittern wurde beauftragt, den Kelch, in dem das Blut Christi am Kreuz aufgefangen wurde, in die Pyrenäen zu bringen, um ihn bei den Katarern auf der Burg Gisohr zu deponieren und die Sekte mit all seinen Erfahrungen zu unterstützen. Der Zweite brachte die Bundeslade in den Süden Englands. Der dritte Ritter, der zur Familie der Grafen von Thüringen gehörte, sollte die östlichste Bank der Templer in Erfurt aufsuchen und den Schatz in der Engelsburg bei den Hospitallitern hinterlegen, um auch dort das Andenken an den Orden zu bewahren. Er trug den berühmten Roten Elephanten, das Geschenk des Sultans von Ägypten, in einer geheimen Tasche bei sich.

 

Einen Tag vor Beginn der Prozesse ritten sie also jeder in seine Richtung davon, nicht ohne sich zu versprechen, sich eines Tages als Ordensbrüder wiederzusehen. Die Reise des Bernhard von Thüringen war wohl die weiteste und gefährlichste, da sie durch viele deutsche Fürstentümer führte, und er wusste nicht genau, wie sie zum Orden standen und ob er je Erfurt erreichen würde. Sein Weg führte durch das Elsass bis nach Aachen, dort wusste er noch eine kleine Gruppe von Templern, die in einem kleinen Kloster der Johanniter Unterschlupf gefunden hatten und dort in Ruhe leben konnten. Sie würden ihm bestimmt weiterhelfen. Dann musste er quer durch Deutschland, wo viele der ehemaligen Kreuzritter verarmt waren und von Überfällen auf Reisende lebten. In der Nähe von Arnstadt geriet er, wie er befürchtet hatte, in einen Hinterhalt eines dieser Raubgrafen, die aufgehört hatten, an den Ehrenkodex des alten Rittertums zu glauben. Er wurde durch drei Pfeile schwer verletzt, konnte aber den Räubern entfliehen und kam noch am gleichen Abend stark blutend in der freien Stadt Erfurt an. Vor dem Kloster der Hospitalliter, genannt die Engelsburg, stürzte er vom Pferd. Eine Frau, die im gegen-überliegendem Haus aus dem Fenster geschaut hatte, ließ ihn in ihre Wohnung tragen, aber es war wohl zu spät. Er starb in ihren Armen, ohne noch einmal das Bewusstsein zu erlangen. So sind das letzte Gold der Templer wie auch der berühmte Elephant aus Rubinen und Diamanten bis heute verschwunden geblieben. Vielleicht hat die hilfsbereite Dame ihn auf ihrem Grundstück vergraben, aus Angst bestraft zu werden. Heute heißt dieses Haus, in dem der Templer verstarb, »Zum Roten Elephanten«. Das Haus beherbergt eine Gaststätte. Trotz vieler Ausgrabungen in den letzten Jahren wurde der Schatz der Templer nicht gefunden.

 

 

 

Erfurt, 2. Januar 2004 Bernhard Dittmar

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